05.04.2017

Herzinfarkt - und dann?

Von einem Herzinfarkt spricht man, wenn durch einen anhaltenden Sauerstoffmangel Herzmuskelgewebe zugrunde geht und abstirbt. Man unterscheidet dabei zwischen dem klassischen Herzinfarkt mit vollständigem Gefäßverschluss mit kritischer Durchblutungsstörung der gesamten betroffenen Herzwand und einem Herzinfarkt wo nur Teile des Herzmuskels unter kritischem Sauerstoffmangel leiden, aufgrund einer hochgradigen Einengung im Bereich des Herzkranzgefäßes.

Beim Herzinfarkt ist sehr rasches Handeln notwendig, da bei komplettem Verschluss des Herzkranzgefäßes der betroffene Herzmuskel nach sechs Stunden vollständig abgestorben ist. Insbesondere der ersten beiden Stunden kann unter erfolgreicher Therapie ein Großteil der Muskelfunktion erhalten werden.

Je nachdem, welches Herzkranzgefäß betroffen ist, spricht man von Vorder-, Seiten- oder Hinterwandinfarkt.


Was sind die Ursachen bzw. Risiken für einen Herzinfarkt?

Die Ursache eines Herzinfarktes ist die sogenannte Arteriosklerose der Gefäßwand, wo es aufgrund der Einwirkung von Risikofaktoren zur Plaquebildung kommt (Ablagerung von Cholesterin, Entzündungszellen, Kalk), der Plaque kann einerseits über eine längere Zeit immer größer werden und schließlich den inneren Gefäßquerschnitt kritisch einengen. Er kann aber auch aufplatzen und damit durch die Bildung eines Blutgerinnsels plötzlich das gesamte Gefäß verschließen. Wird das Herzkranzgefäß langsam verengt, kommt es zunächst bei körperlicher Belastung zu einem Sauerstoffmangel im Herzmuskel, welcher sich im Symptom der sogenannten Angina pectoris (Engegefühl im Brustraum, brennender Schmerz mit Ausstrahlung in die Arme, Unterkiefer, aber auch Magengegend) äußert.

Hauptrisikofaktoren für den Herzinfarkt:

  • Zigarettenrauchen (Schädigung der Gefäßwand durch Rauchinhaltsstoffe und freie Radikale - "Startschuss für Plaquebildung")
  • Bluthochdruck
  • erhöhte Blutfette (insbesondere LDL-Cholesterin)
  • Diabetes mellitus
  • Übergewicht, Fettleibigkeit
  • Bewegungsmangel
  • negativer Stress

Typische Anzeichen für einen akuten Herzinfarkt sind:

  • heftige typische anhaltende Angina pectoris mit Ausstrahlung in den Unterkiefer (vorwiegend Vorderwandinfarkt) oder in den Oberbauch (vorwiegend Hinterwandinfarkt)
  • Blässe und kalter Schweißausbruch
  • Unruhegefühl und subjektive Todesangst
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Atemnot
  • starkes Herzstolpern

Ganz besonders wichtig ist es, dass bei diesen Symptomen sofort und unverzüglich der Notarzt verständigt wird, da zwei Drittel der Todesfälle beim akuten Herzinfarkt innerhalb der ersten beiden Stunden auftreten (Kammerflimmern, ventrikuläre Tachykardien) und bei richtiger Behandlung innerhalb der ersten Stunden die Spätfolgen des Herzinfarkts minimiert werden können (Zeit ist Leben - Zeit ist Muskel).

Nach einem Herzinfarkt...

Je nach Ausdehnung des Herzinfarkts kann die Pumpleistung mehr oder weniger eingeschränkt sein, es ist daher besonders wichtig, eine individuell angepasste medikamentöse Therapie zu etablieren und so rasch als möglich eine wirksame Sekundärprävention (Lebensstilmodifikation, Minimierung der Risikofaktoren, behutsamer Aufbau der körperlichen Leistungsfähigkeit) zu beginnen. Die gezielten Maßnahmen der ambulanten kardiologischen Rehabilitation können hier ansetzen und mit einer sukzessiven Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit und einer Wandlung des Lebensstils unterstützen.

Von Prim. Assoc. Prof. Dr. Harald Mayr (Ärztlicher Leiter der Abteilung Kardiologische Rehabilitation im Lebens.Med Zentrum St. Pölten und ärztlicher Leiter der Klinischen Abteilung für Innere Medizin 3 im Universitätsklinikum St. Pölten)