Stefanie Schügerl, MA Psychiatrische Rehabilitation

Wie geht man richtig mit Konflikten um?

Weihnachtszeit - friedliche Zeit?

Weihnachten ist meistens mit dem Gedanken verbunden, eine schöne und ruhige Zeit mit der Familie zu verbringen: Verwandte wiedersehen, gemeinsam gut essen und feiern, gute Gespräche führen, Besinnlichkeit etc.– klingt einfach in der Theorie, wie sieht jedoch die Praxis aus?

Jede Familie besteht aus Einzelpersonen, die unterschiedliche Beziehungen zueinander bzw. auch verschiedene Vorgeschichten haben. Deshalb ist damit zu rechnen, dass bei weihnachtlichen Zusammenkünften eigene Erwartungen, Wünsche, Belastungen der Vergangenheit, Sehnsüchte, Aufgabenverteilungen und Rollenvorstellungen mitgebracht werden. – dabei kann es durchaus sein, dass die eine oder andere Diskussion aufkommt. Um dem entgegenzuwirken, stellt sich die Frage, wie man mit solchen Situationen, auch passend zur Weihnachtszeit, umgeht. Sie haben sicherlich schon Aussagen wie „Zu Weihnachten, da soll alles perfekt sein!“ gehört. Diese Aussage betrifft vor allem Erwartungen an die Zeit mit Familie und Freunden. Doch gerade in der Weihnachtszeit kommt es oft zu Konflikten und Auseinandersetzungen, da der Vorsatz ein „perfektes“ Weihnachten zu erleben, den bereits vorhandenen Druck in Beziehungen verstärkt und bestehende Konflikte erst recht zur Eskalation bringt. Auf der anderen Seite sehnt sich so gut wie jeder Mensch nach Gesellschaft – kaum jemand möchte gerne zu Weihnachten allein sein, nur um Konflikten aus dem Weg zu gehen.

Frau Dr. Nassan-Agha-Schroll, Ärztliche Leiterin des Fachbereichs Psychiatrische Rehabilitation und ihr Team aus dem Lebens.Med Zentrum St. Pölten, geben nachfolgend Tipps was man tun kann, um Konflikte zur Weihnachtszeit nicht aufkommen bzw. eskalieren zu lassen.

Sich selbst nicht vergessen

Eine gute Vorbereitung für die Weihnachtszusammenkünfte kann kein Nachteil sein. Dennoch sollte man auch als Gastgeber an den Feiertagen nicht auf die eigenen Bedürfnisse nach Erholung und Entspannung vergessen. So können Sie beispielsweise vorab fixe Zeiten definieren, um sich Zeit für einen Spaziergang, Entspannungsübungen oder Sport zu nehmen.

Weniger Vorwürfe

Sollte es zu konfliktbelasteter Kommunikation kommen, ist es wichtig Vorwürfe und Anschuldigungen zu vermeiden und stattdessen darüber zu sprechen, wie man sich gerade fühlt.

Achtsamkeit mit der eigenen Person

Seien Sie achtsam mit sich selbst und der eigenen Umgebung. Es kann von Vorteil sein, seine eigene Befindlichkeit auszudrücken. Trauen Sie sich auch „Stopp“ zu sagen und persönliche Grenzen zu ziehen. Wichtig ist im Klaren mit sich selbst zu sein und sich nicht von der Umgebung verunsichern zu lassen.

Offene Kommunikation

Um Unklarheiten und somit potenzielle Interpretationsmöglichkeiten zu vermeiden, fragen Sie nach, falls Sie etwas nicht verstanden haben und geben Sie dem Gegenüber die Chance sich zu erklären. Im Anschluss kann noch immer entschieden werden, wie mit dem Gesagten umgegangen wird.

Wahrnehmen nicht bewerten

Eine der häufigsten Ursachen für Missverständnisse sind vorschnelle Interpretationen. Es ist einen Versuch wert, Situationen nicht in „gut“ oder „schlecht“ zu bewerten, sondern objektiv wahrzunehmen.

Aktives Zuhören und Verständnis zeigen

Lassen Sie auch andere Personen aussprechen und Wünsche äußern, aber auch deren Ärger und Ängste formulieren. Wiederholen Sie, was sie verstanden haben und versuchen Sie sich in die Lage des anderen hineinzuversetzen. So wird gegenseitiges Verständnis möglich, um gemeinsam Lösungen zu finden.

Übung macht den Meister

Zu guter Letzt nicht ihren Humor vergessen. Weihnachten lässt sich sowohl dieses als auch die kommenden Jahre nicht verschieben. Schrauben Sie Ihre Erwartungen runter und genießen Sie das weihnachtliche Chaos, es kommt alle Jahre wieder – also viel Zeit zum Üben.

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